In diesem musikalischen Ausflug tauchen wir in eine mörderische Welt ab, die wir zwei wunderbaren Männern verdanken. Beide haben ihre Wurzeln unweit des wiegenden Liffeys in Dublin. Die Rede ist von Textgeber Oscar Fingal O' Flahertie Wills Wilde aka Oscar Wilde und Vocalist Fionán Martin Hanvey alias Gavin Friday. Oscar Wilde wurde am 16. Oktober 1854 und Gavin Friday am 8. Oktober 1959 in Dublin geboren. Die Parallelen vom gemeinsamen Geburtsmonat und Ort lassen sich weiterführen. Beide fühlten sich in einigen Lebensabschnitten unverstanden. Der Text von “Each Man Kills The Things He Loves“ wurde dem Gedicht The Ballad Of Reading Gaol (1898) von Oscar Wilde entlehnt. Entstanden ist die Ballade nachdem Oscar Wilde seine Haftstrafe wegen Homosexualität im Gefängnis Reading überstanden hatte.
Er hat die Ballade einem Zellengenossen, C.T.W., der gehängt wurde, weil er eine Frau umgebracht hatte, gewidmet. Die Ballade zeigt den ewigen Kreis von Liebe und selbst initiierten Verlust durch scheinbar die eigene unerträgliche Schwere des Seins. Rational müsste es eigentlich absurd sein Liebe und Gewalt in einem Atemzug zu nennen, dennoch stolpert man nicht darüber, sondern erkennt den Dualismus in der eigenen Welt, ohne Tag keine Nacht und mit Liebe tauchen auch andere Seiten auf. Das musikalische Arrangement von "Each Man Kills The Things He Loves“, das in Zusammenarbeit mit Soundteppichtüftler Maurice "The Man" Seezer kreiert wurde, scheint einen auf ein Schiff zu entführen oder in ein irisches Stadtviertel.
Der Soundteppich entfaltet sich zwischen klassisch und jazzig, mit Klavier, Cello, Bass und Gitarre. Beim Hören entwickelt sich für mich etwas zutiefst Dramatisches und Morbides und man begibt sich in einen Strudel, in dem Mann und Frau mitsingt und scheinbar mit dem Mob durch eine Gasse zieht, bevor man auf das Schiff steigt und entschwindet. Wer in das gleich betitelte Album hinein hört, sei vor gewarnt, denn man findet dort eine Interpretation von Bob Dylan "Death Is Not The End“ (Anm. 'der Nick Cave hat's auch gemacht') und von Jaques Brel "Next"/"Au Suivant" ( Anm. 'die The Sensational Alex Harvey Band hat's auch gemacht'). Es soll bekanntlich sensible Hörer geben, die Cover-Versionen von Songs ablehnen und als unnötig erachten.
Hiermit sei auch ein Ausweg mit Benutzung der 'Skip'- Taste angegeben. Wer den Anfang der Ballade von Gavin Friday dargeboten haben möchte, sollte sich die Platten If I Die, I Die oder/und Hérésie von der wegbereitenden, avantgardistischen irischen Post-Punk- Formation Virgin Prunes, die von 1977 bis 1986 bestand, organisieren. Im Song "Theme For Thought“ wird nämlich der Anfang der ‚Ballade des Gefängnis zu Reading’ rezitiert. Hören und Weitersagen!
Gavin Friday & The Man Seezer - “Each Man Kills The Things He Loves“ (1989)© 2009 Radio-Decoder

