Unsterblich gemeinsam mit Mark Burgess in der Zwischenwelt für ca. 7:47 verweilen.
Es ist natürlich immer schwierig über alte und einem wichtige Musikschinken zu schreiben, aber das hier ist eine Herzenssache. Und Herzenssachen sind wichtig. Ich will nicht schreiben, dass bei den ersten Takten von The Chameleons 'Second Skin' eine Hysterie ausbricht, aber in den vernebelten Tanzhallen finden sich immer Leute, die lächelnd zur Tanzfläche huschen und im Nebel verschwinden. Und, wenn hier bei radio-decoder das Lied durch die binäre Achterbahn geschickt wird, entsenden Chat-Ansässige rollende Smilies zu Mark Burgess (Liedsänger) Hymnus auf den Soundteppich (und wer weiß schon, was sie noch so zu Hause anstellen).
Es ist der Wandel, der den Song ausmacht, nicht nur im Sound, sondern auch der Text selbst und seine Entstehung. Allein der Name wurde von Mark erst durch eine kleine Evolution geschickt, von 'Dreams in Celluloid' und 'Films' - die sich auch textlich unterscheiden – ist das Thema dennoch immer das Gleiche. Es kreist und dreht sich um die verflixte Unsterblichkeit, die wir nie erreichen werden, und die Tatsache, dass wir uns mit der Endlichkeit arrangieren müssen. Inspiriert wurde Mark durch ein Buch, das über eine Studie von ''Nahtodexperimente'' geschrieben wurde. Es ist für mich eine Thematik, die mich manchmal mehr fesselt als Liebe, weil die Bewusstwerdung über die Endlichkeit einen natürlichen Wahnsinn in einem entzaubern kann, gleichwohl vergleichbar mit dem Gefühl der unerfüllten, hoffnungslosen oder vergangenen Liebe. Der Sound ist mit dem Ort und der Zeit der Bandgründung eng verbunden. 1981 wurde in Middleton/Greater Manchester The Chameleons aus der Wiege gehoben. Eine Band, die Vertreter und ''Berufer'' des klassischen PostPunk geworden ist. Die Schaffensperiode war zeitlich betrachtet nicht lang, von 1981-1987 und nach der Reunion von 2000 bis 2002. 'Second Skin' ist auf der ersten Album-Veröffentlichung 'Script of the Bridge'. Bands, die Sound- und Textverbundenheit von The Chameleons entsprechen, sind Joy Division und Echo and the Bunnymen, falls man die Platten musikalisch-thematisch-chronologisch ordnen mag. Bei einer alphabetischen Ordnung wären wohl alle Bands auch nicht so weit voneinander entfernt, die kleinen Häufungen im Kosmos der Unordnung. Doch zurück zum Musikarrangement von 'Second Skin'. Die Soundcollage scheint scheinbar Verwirbelungen zu generieren, die sich impulsartig bilden und so schnell wie sie gekommen sind, lösen sie sich wieder auf und hinterlassen ein Lächeln im Gesicht des Hörers. Und alles wurde mit den klassischen PostPunk Musikelementen (Schlagzeug, elektrische und akustische Gitarre und oben drauf der Bass mit einer entrückten Stimme) generiert.Hier ist es, wie eine Umarmung eines Seelenverwandten, der es irgendwie schafft, einem Vertrauen zu geben und aufzupäppeln. Am Ende wird der geneigte Lauscher mit einen kleinen Schubser und säuselnden Worten, die eine unglaubliche Energie, gespickt von Endorphinen, freisetzen, ins Irdische entlassen.
Früher hätte ich immer empfohlen, geht zu eurem Plattendealer des Vertrauens und hört rein. Doch im jetzigen Heute würde ich schreiben und tue es auch: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Lied hier bei der einen oder anderen Sendung wieder läuft. Und manchmal kann man dem Glück nachhelfen und ein Musikwunsch auf einer Wunschliste gekonnt drapiert, könnte am Playlisträdchen wohl bestimmt einen rechtzeitigen Stillstand und Abspielung initiieren.
Und zu finden ist das gute Stück u.a. auf folgenden Tonträgern:
Script of the Bridge (1983 / 1995), Return of the Roughnecks: The Best of Chameleons (1998 / 2001), This Never Ending Now (2002)
Verweise/Links/Quellen/weiterführendes Interesse:
Bildquellen:
(oben) Cover "Script of the Bridge", (unten) Konzert: Berlin K17, 2001 (c) coinscoil
